 |
Katalog Nr. 125
Der Leipziger Künstler Rudolph Brabandt (1902 - 1973)
Katalog herunterladen
Vorwort
Der Leipziger Künstler Rudolph Brabandt (1902 - 1973)
Mit diesem Katalog breiten wir heute vor Ihnen graphische Werke eines Künstlers aus, dessen Schaffen von einer erstaunlichen Vielfalt der Themen und Techniken geprägt ist.
1902 wurde der Maler und Graphiker Rudolph Barbandt als Sohn des Lithographen Richard Hermann Brabandt in Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Volksschule begann er 1917 eine Lehre als Tiefdruckretuscheur in dem Betrieb von J.J. Weber, dem Herausgeber der "Leipziger Illustrierten Zeitung". Anschließend arbeitete er als graphischer Techniker in diesem Betrieb und besuchte von 1919 bis 1922 gleichzeitig Halbtagsseminare an der "Staatlichen Akademie für graphische Künste" in Leipzig. Dort war er einige Zeit auch als Dozent tätig.
1923 bis 1925 folgte ein Aufenthalt in der Schweiz mit Arbeiten für die "Schweizer Illustrierten Zeitung", für Orell-Füßli in Zürich und für den Staatsverlag in Bern. In dieser Zeit wurde er Mitglied des Schweizer Lithographenbundes.
1925 kehrte er zurück nach Leipzig und war dort freischaffend tätig bis 1929, dem Jahr seiner Eheschließung mit Hildegard Kogge. Seitdem arbeitete Brabandt zunächst bei Max Breslauer, ab 1930 war er im Graphischen Betrieb von Oscar Brandstetter angestellt. 1939 legte er die Meisterprüfung im Graphischen Gewerbe ab.
Mit Kriegsbeginn änderte sich das Tätigkeitsfeld des Künstlers. Er war nun ausschließlich mit der Herstellung von Landkarten, Vermessungen u.ä. beschäftigt.
Am 10.10.1944 wurde Brabandt eingezogen, aber schon am 22.10. verwundet und im Januar 1945 als Invalide mit einer Beschädigung von 60% entlassen.
Nach 1945 arbeitete er freiberuflich, u.a. für den "Militärverlag Moskau" in Leipzig und den Kunsthändler Haller in München, nach Gründung des Fachbuchverlags in Leipzig ausschließlich für diesen, und zwar als freischaffender graphischer Zeichner.
1946 trat Brabandt der LDPD bei und wurde Mitglied im Verband der Kulturschaffenden. Sein späterer Austritt hatte ein Verkaufsverbot seiner Werke zur Folge. 1952 wurde er von seiner Frau geschieden.
1961 machte man ihm den Prozeß wegen "Staatsverleumdung", er musste für sieben Monate ins Gefängnis.
Brabandt starb 1973 in Leipzig.
Schon in seinen frühesten Arbeiten mit Bleistift, zu sehen in dem von uns angebotenen Skizzenbuch von 1918, zeigt sich ein besonderes Talent des damals Sechzehnjährigen: Das Gespür für die richtige Verteilung von Licht und Schatten, der Sinn für Plastizität bei einfachen Gegenständen wie einem Krug, einem aufgehängten Mantel usw. Später werden die Bleistiftskizzen teilweise mit Deckweiß gehöht oder sparsam mit farbiger Kreide belebt, gelegentlich entstehen Federzeichnungen oder komplette Aquarelle, letztere teilweise mit frappierenden Farbnuancen. Vor allem den Schweizer Gebirgsbildern verleiht er mit diesen Mitteln Tiefe und Lebendigkeit.
Gleichzeitig wendet er sich den Drucktechniken zu. Seine frühesten Radierungen aus der Studienzeit in Leipzig zeigen ihn noch im Experimentierstadium, die zahlreichen Radierungen der Schweizer Zeit, entstanden nach Bleistiftskizzen, erweisen sich bereits als ausgereifte Kunstwerke, häufig zusätzlich überarbeitet mit Aquatinta. Diese aufwendigen Technik, die damals von Künstlern nur noch selten gebraucht wurde, erlaubt feine Übergänge bei den Schattierungen, vom tiefsten Schwarz bis zur zarten Tönung des Hintergrundes. Die Entwicklungsschritte dieser Arbeiten werden an den zahlreichen Zustandsdrucken deutlich, die wir hier anbieten können.
Originalskizzen und Drucke der Leipziger Lehr- und Studienzeit stehen zwischen diesen beiden Phasen. Brabandt wandert gerne in die kleinen Orte in der Umgebung seiner Heimatstadt (Holzhausen, Leilitz, Thekla usw.), und nichts entgeht seiner künstlerischen Aufmerksamkeit: Ein Waldstück mit einer kleinen Kirche dahinter, eine halbverfallene Scheune neben Bauernhäusern, merkwürdige Bodenformationen usw. Häufig hat er den Ertrag dieser Wanderungen in Radierungen umgesetzt, von denen er als Student naturgemäß nur eine kleine Auflage fertigen konnte. So sind aus dem Nachlaß auch hier zahlreiche Zustandsdruck erhalten, alle genau bezeichnet, signiert und datiert, die unser Angebot bereichern. Gleichzeitig beginnt Brabandt sich zu entwickeln auf einem Gebiet, das seiner Phantasie freien Lauf lässt: der sog. Gelegenheitsgrafik in Form von Glückwunschkarten, Grüßen zu Ostern und Pfingsten, Anzeigen usw. Hier beginnt er auch, neben der Radierung andere Techniken einzusetzen: Lithographie, Holzschnitt und Linolschnitt. Aus den Zwanziger-, Dreißiger- und Vierzigerjahren sind fast durchgängig seine jeweiligen Neujahrskarten erhalten, die wegen ihrer privaten Verwendung nur eine kleine Auflage hatten.
Schon früh begann der Künstler mit Reisen durch ganz Deutschland (Ostsee, Thüringen, Franken, Oberbayern usw.), das angrenzende Österreich und die Schweiz. Er bekam in den Dreißigerjahren für diese Unternehmungen hin und wieder sogar Urlaub von seinem Arbeitgeber. Die zahlreichen dabei entstandenen Orts- und Stadtansichten, die wir hier anbieten können, fanden zuhause Verwendung als Vorlagen für Ölbilder. Viele Skizzen hat er auch in die Druckgraphik umgesetzt, die sie in unserer Auswahl finden.
Ein besonderes Erlebnis für den jungen Graphiker war eine Reise nach Südbayern, vom Berchtesgadener bis ins Werdenfelser Land. Sie fand ihren Niederschlag in Landschafts- bzw. Gebirgsstudien, besonders aber in zahlreichen Personendarstellungen, als Gruppe oder als Einzelporträt, als Bleistiftzeichnung und/oder als Radierung mit Aquatinta. Die charaktervollen Gesichter der einheimischen Bevölkerung haben ihn offensichtlich fasziniert, er bannt sie mit wenigen treffenden Strichen aufs Papier bzw. die Kupferplatte.
In seiner Autobiographie für das Gericht im Prozeß wegen „Staatsverleumdung“ (er hatte kurz vor dem Mauerbau Menschen in Leipzig fotografiert, die für Kartoffeln in einer Schlange anstanden, hatte Ulbricht für diese Mißstände verantwortlich gemacht und war denunziert worden) betont Brabandt immer wieder sein Arbeiten als freischaffender Künstler, unterbrochen oder auch begleitet von Phasen abhängiger Tätigkeit als Graphiker. Er sagt darin über sich selbst: "Ich gelte als fleißig, vielfach interessiert u. bin stets bestrebt, das Beste zu leisten". Die Übersicht über das vorliegende graphische Werk bestätigt seine Selbsteinschätzung: Er war als Künstler unermüdlich tätig auf den verschiedensten Gebieten, und bei den Bestrebungen, "das Beste zu leisten", ist es nicht nur beim Versuch geblieben. Die Gestaltung der Glückwunschkarten spiegeln seinen Sinn für Humor und für Geselligkeit, aber auch für Unabhängigkeit. Den einfachen, arbeitenden Menschen galt sein besonderes Interesse, nicht der jeweiligen Ideologie. Das zeigt sich bei den größerformatigen Entwürfen z.B. für das "Winterhilfswerk", in denen das Hitlerbild nur ganz klein an der Wand hängt, und in den Plakaten für die Leipziger "Friedensmesse" 1946, die ganz dem optimistischen Wiederaufbau gewidmet sind und auf sozialistische Embleme verzichten.
Der Gefängnisaufenthalt scheint seine künstlerische Kraft, was die Vielfalt betrifft, gebrochen zu haben. Aus der Spätzeit finden sich nur noch Bleistiftskizzen und Radierungen von Tieren aus dem Leipziger Zoo, in dem sich der Alternde offensichtlich gerne aufhielt. Diese Tierstudien zeigen noch einmal seine besten Eigenschaften als Graphiker: den Blick für eigentümliche Bewegungen und Haltungen, die einfühlsame, charakteristische Linienführung und den Sinn für Kontraste. Seine Kunst war wie sein Leben – Licht und Schatten.
Aus dem Inhalt
- Deutsche Städte und Landschaften (1 - 285)
- Schweizer und österreichische Städte und Landschaften (286 - 344)
- Dekoratives, Exlibris, Glückwunschkarten, Gelegenheitsgraphik, Genredarstellungen, Landschaften, Berufdarstellungen (345 - 471)
- Porträts und Persönliches (472 - 493)
- Tierdarstellungen (494 - 522)
- Skizzenbücher (523 - 536)
|
|
|