Ulm aus Schedels Weltchronik
Hamburg von Sebastian Münster
Köln von Braun und Hogenberg
Landshut von Matthäus Merian
Augsburg nach Friedrich Bernhard Werner
München von Georg Baltasar Probst
München von Johann Christoph Hafner
Grabenstätt von Michael Wening
Vilshofen von Jakob Alt
Ingolstadt von Gustav Kraus
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Das Bild der Stadt in der Druckgraphik vom 15. bis zum 19. Jahrhundert
Die Darstellung einer Stadt entsprechend ihrem tatsächlichen Aussehen ist eine Frucht des neuen, diesseitigen Weltbildes, das in der Renaissance entsteht. Während des Mittelalters war "Stadt" ein Typus, gespeist vom Idealbild des metaphysischen, himmlischen Jerusalem, schematisch dargestellt mit den immer gleichen Merkmalen: Mauern, Türme, Paläste, Wohnhäuser, Kirchen usw.
Noch Hartmann Schedels "Weltchronik" von 1493 verwendet ein und denselben Holzdruckstock für mehrere Städte, z.B. für Mainz, Neapel, Aquileja, Bologna und Lyon, nur der Name wird geändert. Gleichzeitig markiert diese Weltchronik aber auch den Wendepunkt hin zum authentischen Stadtbild: Für ca. 30 Städte bringt Schedel die älteste gedruckte Stadtansicht, darunter Nürnberg, Würzburg, München usw.
Die humanistisch gebildeten Patrizier der reichen Handelsstädte interessierten sich jetzt für ihre Stadt, und sie wollten wissen, wie andere, vergleichbare Städte des Erdkreises tatsächlich aussahen. Sie waren die vom Verleger ins Auge gefasste Kundschaft für diese "Weltchronik", die mit Recht "das größte Buchunternehmen der Dürer-Zeit" genannt wurde (E. Rücker).
Sebastian Münsters "Cosmographie" (seit 1550) zeigt bereits eine andere Bildauffassung, zeigt den Wandel der Zeit. Hunderte europäischer Städte werden jetzt einem breiten Publikum erstmals realistisch vorgestellt, der Verleger kann auf Zeichner in ganz Europa zurückgreifen. Die Holzschnitttechnik ermöglicht zudem Auflagen in mehreren Sprachen und über viele Jahre, bis 1628. Zwei Arten von Ansichten werden jetzt unterschieden: Der Prospekt, d.h. das, was der Ankömmling vor sich erblickt, wenn er sich einem Ort nähert, auch "Vedute" genannt (vom italienischen "la veduta", d.h. das Gesehene, der Gesichtskreis), und der Grundriß, auf dem jede Straße zu sehen und fast jedes Haus zu lokalisieren ist.
Ein Prachtwerk wie die "Civitates Orbis Terrarum" von Braun und Hogenberg (seit ca.1580) bedient sich gerne des Grundrisses, jedenfalls bei doppelblattgroßen Ansichten, häufig geschmückt durch perspektivisch übergroße Trachtenfiguren im Vordergrund. Dieses modern anmutende Prinzip der Vernachlässigung "realistischen" Bildaufbaus zugunsten einer Multiperspektivität versammelt Teilansichten, Wappen, Inschriftentafeln, Trachtenfiguren usw. in lockerer Komposition auf einer Ortsansicht. Noch häufiger finden sich unter diesen Kupferradierungen die kleinen, meist auf einer Seite übereinander gedruckten Veduten. Sie wurden Vorbilder für viele Kopien und vereinfachte Nachstiche, teilweise bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Erstmals werden diese Radierungen schon vom Verleger schematisch koloriert.
Eine neue Qualität bieten die Kupferstiche Matthäus Merians d.Ä. Seine "Topographien" (seit ca. 1640) sind vollständige geographisch-historische Landes- und Ortsbeschreibungen. Häufig zeichnet und sticht dieser Künstler Ansichten aus der sog. Vogelschau, d.h. von schräg oben, wodurch die Vorzüge von Stadtplan und traditioneller Ansicht miteinander verbunden werden: Man kann den Straßenverlauf verfolgen und alle Gebäude erkennen. Nicht selten druckt Merian auch beides übereinander: oben den Grundriß, darunter als schmales Querformat den Prospekt. Die fortlaufend erscheinenden Bände des "Theatrum Europaeum", des europäischen Kriegstheaters, verknüpfen konkrete Ereignisse, also Brände, Belagerungen, Eroberungen usw. mit der Stadtansicht und halten so historische Momente für die Nachwelt fest. Wir wissen, dass Merian selbst viel auf Reisen war und überall gezeichnet hat und das mitten im Dreißigjährigen Krieg! Ohne zahlreiche Mitarbeiter wäre jedoch dieses gewaltige Oeuvre nicht zu schaffen gewesen, und so durfte z.B. der Zeichner von Neuburg an der Donau seinen Namen auf dem von ihm entworfenen, von Merian gestochenen Blatt verewigen: "Joh. Schatz inv(enit)".
Zunehmend wichtiger wird jetzt auf den Stadtansichten die realistisch gesehene Umgebung. Sie spielt mit, sie belebt, und so wird das Bild vom Künstler ausgestattet mit Gärten, Hügeln, Feldern und Wäldern, und natürlich mit den dort lebenden Menschen bei ihrer jeweiligen Arbeit. Die so "ausstaffierten" Stiche werden unversehens zu einer bedeutenden Quelle für Volks- und Trachtenkundler, für Lokalhistoriker und sogar für Ökologen, die die Veränderungen der Landschaft, z.B. den Raubbau an den Wäldern sie waren die einzige Energiequelle - gut studieren können. An den Abhängen der Trausnitz bei Landshut gab es z.B. Weinberge. Die Zeitgenossen bezeichneten die Qualität dieser wenig edlen Tropfen als "Darmreißer". Auch der militärhistorisch Interessierte wird beim "Theatrum" einiges zu Rate ziehen können, z.B. Truppenformationen. Er wird die Bewaffnung, die feuernde Artillerie, die Uniformen, das Lagerleben auf einer Darstellung vergleichen mit schriftlichen Zeugnissen und so ein anschaulicheres Bild gewinnen.
An dieser Staffage, an der Gesamtkomposition der Ansichten lässt sich recht gut Merians künstlerisches Niveau ablesen. Wo es möglich ist, sucht er die damalige Idealvorstellung für eine Landschaft zu verwirklichen: ein liegendes Oval. Sehr schön kann man das an seiner 1632 entstandenen Ansicht von München vom Gasteig aus exemplifizieren: Stadtsilhouette und Isarverlauf bilden Ober- und Unterkante eines Eis, vorne, in der Szene der Übergabe der Stadtschlüssel an König Gustav Adolph, fehlt seitlich die Abrundung. Merian komponierte als Gefälligkeit fürs Auge des Betrachters etwas hinzu: einen sich nach innen neigenden Baum, der damals sicher nicht dort stand. Solche Freiheiten erlaubt sich kein mathematischer Pedant, nur ein Künstler.
Das Stadtbild selbst veränderte sich gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges in einem Punkt: Viele Städte erhalten jetzt vor den mittelalterlichen Mauern ein Glacis mit weitläufigen, sternförmig aus Erde aufgeworfenen Festungswällen. Sie sollten einerseits die feindliche Artillerie unwirksam machen, andererseits den Verteidigern die Möglichkeit eröffnen, den Angreifer mit der eigenen Artillerie ins Kreuzfeuer zu nehmen. Auf den großen, querformatigen Ansichten z.B. von Werner, Probst, Hafner u.a. wirken diese barocken, für den Krieg gedachten Anlagen eher friedvoll - und außerordentlich dekorativ.
Speziell für Altbayern sind Michael Wenings Ansichten (seit 1701) ein Glücksfall. Im Auftrag des Kurfürsten durfte er, geordnet nach den vier Rentämtern, alle Städte, Dörfer, Adelssitze, Klöster usw. von Kurbayern in seiner unverkennbaren Manier festhalten. Reichsfreie Städte wie Augsburg oder Regensburg zählen allerdings ebensowenig dazu wie das Gebiet des Erzbistums Freising mit der Grafschaft Werdenfels oder auch ganz Franken, das erst unter Napoleon zu Bayern kam. Was über die Bedeutung der Staffage auf diesen Ansichten zu Merian oben gesagt wurde, gilt sinngemäß auch für Wening.
Weil die Bevölkerung sich von dem schweren Aderlaß des Dreißigjährigen Krieges nur langsam erholte und 150 Jahre lang kaum anwuchs, blieben die Städte in ihrem Umfang und damit in ihrem Aussehen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts fast gleich. München z.B. wurde erst 1794 zur nicht befestigten Stadt erklärt, die Festungswälle wurden niedergelegt. Die in den letzten Jahrzehnten zu eng gewordene Stadt schwappte förmlich über, neu Stadtteile bzw. sog. "Vorstädte" wurden in rascher Folge angelegt ein weites Feld für Vedutenmaler und stecher!
Im 19. Jahrhundert mit seinem stürmischen Bevölkerungswachstum, der industriellen Revolution und den vom Bürgertum getragenen liberalen Wirtschaftsideen veränderte sich auch das Aussehen der Städte. Gleichzeitig wurden neue Drucktechniken erfunden, die höhere Auflagen als bisher möglich machten bei gleichzeitig sinkenden Herstellungskosten: die Lithographie und der Stahlstich. Als Vorläufer unserer heutigen, mit Fotografien bestückten Bildbände entstanden illustrierte Alben und Buchreihen wie "Meyer's Universum" oder das zehnbändige Werk "Malerisches und Romantisches Deutschland". Die Beteiligung von ausgewiesenen Künstlern wie Jakob Alt oder Ludwig Richter an diesen groß angelegten Unternehmen sorgte dafür, dass auch bei dieser "Demokratisierung" der Stadtansichten das künstlerische Niveau sehr wohl beachtet wurde.
Eine Sonderstellung haben die großformatigen Lithographien. Sie lösen die querformatigen Kupferstichprospekte ab, bei denen meist von mehreren Platten gedruckte Blätter aneinandergeklebt wurden. Das Büttenpapier wird jetzt ersetzt durch das gleichmäßig strukturierte, ungerippte Velin, das sich in der gewünschten Größe herstellen ließ. Das wohlhabende Bürgertum in den Städten war die Kundschaft für diese malerischen Gesamtansichten, mit denen man das Wohnzimmer schmückte, oder für Souvenierblätter, bei denen die große Gesamtansicht in der Mitte von zahlreichen kleinen Einzeldarstellungen (wichtige Gebäude, Straßenzüge, Denkmäler usw.) umrahmt wurde. Diese Blätter hatten in der Regel eine kleine Auflage, da der Verleger von vorneherein nur eine begrenzte Kundenzahl erwarten konnte. So sind z.B. Gustav Kraus' große Ansichten der bayerischen Städte heute kaum mehr auffindbar.
Der besondere Vorzug des Stahlstichs ist ein anderer. Die Härte des Materials erlaubte dem Stecher eine besonders enge Strichführung und damit eine besonders genaue Zeichnung. Die Stege der Druckplatte wurden beim Druckvorgang nicht mehr, wie beim weichen Kupfer, zusammengedrückt, wenn sie zu eng nebeneinander standen. Das buchstäblich stahlharte Material ermöglichte die Darstellung winziger, minutiöser Details, wie wir es heute noch bei unseren Geldscheinen sehen können, die allesamt Stahlstiche sind.
Diese fast unglaubliche Detailtreue (gut sichtbar unter einem Vergrößerungsglas!) spiegelt die damals aufkommende positivistische, naturwissenschaftliche Grundeinstellung vieler Menschen, und eben diese exakte Detailtreue wird an den Stahlstichansichten bis heute von den Sammlern am meisten geschätzt.
Mit dem Holzschnitt begann dieser kurze Gang durch die Geschichte der Veduten, mit dem Holzstich soll er enden. Der Unterschied zwischen diesen beiden Druckarten besteht nur in einem: Beim Holzschnitt wird entlang der Faser gearbeitet, beim Holzstich quer dazu. Man bearbeitet das sog. Stirnholz. Es ist wesentlich härter als ein normales Brett, erlaubt wesentlich feinere Strichlagen und höhere Auflagen. Deshalb wurde der Holzstich für die Abbildungen in den seit 1843 überall in Europa und in den USA entstehenden illustrierten Zeitungen verwendet. Bei wichtigen politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen wurde den Lesern die entsprechende Stadt gerne in einer Gesamtansicht vorgestellt, so dass der heutige Sammler die Entwicklung eines Ortes im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch die jeweiligen Ansichten dokumentieren kann. Von der ursprünglich hohen Auflage dieser frühen Presseerzeugnisse haben sich nur verhältnismäßig wenige Exemplare bis heute erhalten, weil Wochenzeitschriften damals genauso als Konsumgut behandelt wurden wie heute. Und die meisten der tatsächlich gesammelten und gebundenen Exemplare sind im Laufe der Zeit durch Brände, Krieg, Flucht und Vertreibung oder einfach durch Nachlässigkeit vernichtet worden. Die "Überlebenden" sind heute wertvolle Zeugnisse unserer Kulturgeschichte.
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnte man Fotografien durch den neu erfundenen Offsetdruck beliebig oft vervielfältigen. Die Druckvorlagen wurden nicht mehr mühsam von Hand, sondern durch ein industrielles Verfahren hergestellt. Damit endet nach 400 Jahren die eigenartige Geschichte der gedruckten Orts- und Stadtansichten.
Ein besonderes Kapitel sind die gezeichneten, aquarellierten oder gemalten Veduten. Sie sind entstanden als Vorlagen für spätere Stiche, als Studien oder Skizzen vor der Natur, aber auch als Erinnerung z.B. an eine Reise. Auch von Unikaten dieser Art finden Sie bei uns eine schöne Auswahl. Über 900 Originale haben wir in unserem Katalog "Das Bild der Stadt in Zeichnung, Aquarell und Gemälde" zusammen gestellt.
In unserem Lager haben wir für Sie aus Bayern, Deutschland, Europa und der Welt weit über
20000 Veduten vorrätig. Oft haben wir für ein und denselben Ort Ansichten aus allen fünf Jahrhunderten, in verschiedenen Formaten, unterschiedlichen Preislagen und besonderen Drucktechniken, aufgenommen von Standpunkten aus allen Himmelrichtungen, aus verschiedenen Blickwinkeln, Pläne, Grundrisse, Gesamt- und Detailansichten, Darstellungen von wichtigen kirchlichen und weltlichen Gebäuden, Ereignisbilder, Trachten usw. usw.
Ein Besuch in unserem "Online-Antiquariat" zeigt Ihnen die ganze Vielfalt.
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